Wenn Gespenster sterben | 05.07.09

Michael Jackson ist tot. Okay, die Meldung ist jetzt - eine Woche nach seinem Ableben - keinen Cent mehr wert. Und ich gebe zu, dass ich mich bewusst dazu entschieden habe, noch einige Zeit zu warten, bis ich mich wirklich zum Tode des "King of Pop" zu Wort melden wollte.

 

Bevor ich meinen Gedanken gleich freien Lauf lasse, muss ich voran stellen, dass ich nie ein großer Fan von Michael Jackson war. Gleichwohl erkenne ich seine Verdienste an der populären Musikgeschichte an, weiß um seine Erfolge und gebe auch gern zu, dass ich einige seiner Songs wirklich großartig finde. Aber wie schon gesagt: Ein wirklicher Fan war ich nie.

 

Was diesen Umstand vielleicht besonders deutlich macht, ist die Tatsache, dass ich im Alter von 14 oder 15 Jahren sehr gern darauf verzichtet habe, meine Familie (Eltern, Bruder, Tante, Onkel, ...das volle Programm halt!) zu einem Michael-Jackson-Konzert zu begleiten. Ich wollte einfach nicht. So sehr hat mich dieser Typ, der sich tanzend in den Schritt griff - und das auffällig oft tat! - dann doch nicht interessiert.

 

Jetzt ist er also tot. Schon länger hat man musikalisch nichts Neues mehr von ihm gehört. Wenn überhaupt in den Medien die Rede von ihm war, dann nur im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch, optischen Entgleisungen aufgrund vermuteter operativer Eingriffe und - das muss man auch mal festhalten - der plötzlichen Verarmung eines einst unvorstellbar reichen Megastars.

 

Mal abgesehen davon, dass auch ein Michael Jackson keine Gelddruckmaschine im Keller stehen zu haben scheint und er plötzlich erkennen musste, dass sein Geld über all die Jahre vorallem für allerlei Kitsch und persönlicher Beweihräucherung draufgegangen ist, hat er sich möglicherweise auch sexuell an Kindern vergriffen. An dieser Stelle sollen keine ollen Kamellen aufgewärmt werden, die vermutlich eh jedem Leser bekannt sein werden, aber mal im Ernst: Ein Mann baut sich seinen eigenen Vergnügungspark, lädt sich viele Kinder dorthin ein, teilt mit einem Jungen über einen längeren Zeitraum ein Bett und erzählt der Welt, dass er die Nähe der Kinder wertschätzt und macht dabei den Griff in seinen Schritt während des Tanzes zu einem seiner Markenzeichen! Alles das soll nicht irgendwie verdammt sonderbar sein? Naja, ich weiß nicht...

 

Aber gut - im Fall des Kindesmissbrauchs wurde er freigesprochen und dabei hat selbstverständlich seine Berühmtheit nicht die geringste Rolle gespielt. Dass er nicht mit Geld umgehen kann, sei Michael Jackson noch verziehen - wer so viel Geld verdient (hat), kann schon mal den Überblick verlieren.

Vollkommen unverständlich ist mir aber, wie ein Mann dem Schönheitswahn nur so sehr verfallen kann, dass er an sich bis zum geht nicht mehr rumbasteln lässt und dabei - das macht es umso schlimmer - aller Welt erklärt, dass er, ein "ehemaliger" Schwarzer nur deshalb plötzlich hellhäutig wird, weil er an einer seltenen Krankheit leidet. Bitte entschuldigt, liebe Leser, aber mal abgesehen davon, dass ich Michael Jackson persönlich nie und vorallem seine Musik nur bedingt mochte, hätte ich ihn nach all diesen Vorfällen auch nicht mehr "anhimmeln" können.

 

In den letzten Jahren wurde Michael Jackson mehr und mehr zu einem Gespenst seiner selbst. Er hatte sich für das Alleinsein entschieden und scharrte lieber Kinder um sich herum, statt erwachsene und loyale Freunde, die ihm von dem einen oder anderen Fehler hätten abraten können. Während ich von seinem Tod erfuhr, wurde auch erwähnt, dass er bereits 50 Jahre alt war. Sicher, kein Alter um zu sterben. Aber mir war nicht klar, dass er schon so alt war. Und ich wage die Behauptung aufzustellen, dass es vielen anderen Menschen weltweit genauso ging.

 

Was jedoch Michael Jacksons sonderbares Verhalten betrifft: Vielleicht ist das das Los eines Megastars? Das Verlieren der Bodenhaftung, der Verlust der Menschlichkeit und nicht zuletzt die Fähigkeit, die Realität vollkommen ignorieren und dem Glauben erliegen zu können, man würde alles - aber auch wirklich alles - unbehelligt überstehen.

 

P.S.: Und noch was, liebe treuen Fans von Michael Jackson. Auch wenn er tot ist, heißt das nicht, das euer Leben von nun an keinen Sinn mehr hat. Man muss sich das einfach mal vorstellen: Da bringen sich Menschen um, weil ein Mann, dessen Musik sie mochten, plötzlich stirbt. Dass solch ein Tod einen traurig macht, kann ich nachvollziehen. Weniger Verständnis habe ich für den verzweifelten Glauben, dem Verstorbenen folgen zu müssen. Geht lieber tanzen! Oder kauft alle Best-Of-Alben. Oder sucht nach neuer guter Musik.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0