Die Super-Diät | 19.04.2009

Endlich, jetzt kenne ich meinen Körper. Am Osterwochenende hatten er und ich etwas Zeit, uns besser anzufreunden. Und nur nebenbei: Wir verstehen uns jetzt besser denn je! Während mein Körper und ich uns am Karfreitag noch so fremd waren, wie das bei Tag und Nacht der Fall ist, begann am Samstagvormittag ein Ereignis, das ich bis heute nur als physische Grenzüberschreitung betrachten kann. Es gibt einen Song, der sehr gut beschreibt, wie ich mich am vergangenen Wochenende fühlen durfte – deshalb darf er hier auch nicht fehlen. Während Sie sich also den folgenden Text durchlesen, sollten unbedingt die Eels mit "Fresh Feeling" im Hintergrund laufen. Bereit? Wunderbar. Hier der Song:

Und hier beginnt die Geschichte von einem Mann und seinem Körper:

 

Ich kann mir schon vorstellen, dass Sie jetzt etwas Magisches erwarten und irgendwie läuft es auch auf eine solche Erfahrung hinaus. Magisch, einschneidend und überaus interessant.

 

Durchfall.

Später kam noch Erbrechen hinzu.

Dann dauerte es auch nicht lange und Durchfall und Erbrechen gaben sich die Klinke in die Hand, quasi im fliegenden Wechsel.

 

Anfangs dachte ich noch:

- Jackpott! Endlich hast du es geschafft – das ist die Diät schlechthin.

Doch nach etlichen Toilettengängen, dem einsetzenden Brechreiz, Schweißausbrüchen und einer immer schwächer werdenden Physis, musste ich mich dem Virus geschlagen geben. Allmählich distanzierte ich mich von dem Versuch, mit Spaß und Humor alles irgendwie locker wegzustecken. Lockerer als ich alles weg- oder besser aussteckte, konnte man Dinge gar nicht ausscheiden. Irgendwann ging es nicht mehr weiter. Mein Magen war leer. Ich lag also im Bett, ernährte mich von Babybrei und Tabletten, die nach Versuch 3 auch endlich im Körper blieben und nicht nach deren unmittelbaren Einnahme den umgekehrten Weg wieder nach draußen nahmen.

 

- Zentralisation ist das Stichwort, so der Gedanke, der mich plötzlich befiel. Also ging ich in mich. Tief, tiefer, am tiefsten. Und dort traf ich ihn: Meinen Körper. Physisch geschwächt zwar, aber rhetorisch putzmunter. Wir unterhielten uns den ganzen Tag, schließlich hatten wir viel Zeit. Immerhin war ich ja ans Bett gefesselt. Naja, genaugenommen nicht (nur) ans Bett. Die Toilette wurde zu meinem zweiten Zuhause, gleich nach dem Bett.

 

Jedenfalls hatte mein Körper in den Monaten zuvor mitbekommen, dass ich vorhatte, im bevorstehenden Frühling und Sommer unbedingt einige Kilos abzunehmen und so sicherte er mir seine Unterstützung zu. Um einen Erfolg zu garantieren, hatte er dieses äußerst nützliche Norovirus eingeladen. Die in meinem Magen stattfindende Party, schien allen Beteiligten zu gefallen. Zu gut, wie ich ergänzen muss.

 

Sie wissen ja wie das ist. Manchmal übertreiben es einige Anwesende, saufen zu viel, werfen sich noch diese oder jene Pille ein, schnupfen dieses Zeug oder jenes und wundern sich dann, wenn sie kleine grüne Männchen sehen. Weil die Party in meinem Magen in vollem Gange war und auch an Tag 2 noch nicht ganz zur Ruhe gekommen war, durfte ich auch nichts vom ersten Grillfleisch dieses Jahres essen. Oder den leckeren Stachelbeer-Kuchen. Nicht mal Eier habe ich angerührt - und das zu Ostern! Alles das blieb mir über die Osterfeiertage zu Gunsten meines Wunschgewichts verwehrt.

 

Mein Körper ist mein Tempel und er kümmert sich um mich. Er zeigt mir meine Grenzen auf und hilft mir beim Erreichen meiner Ziele. Nun weiß ich: Eine Diät kann so einfach sein. Interessenten holen sich bitte eine kleine Portion Norovirus von mir ab. Gern sende ich es Ihnen auch per Post zu.

 

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