Dieses Lied

Weil das Video absolut sehenswert ist, empfehle ich, zuerst das Video anzuschauen - aber bitte ohne auf den darunter stehenden Text zu achten. Danach solltet ihr nochmals auf PLAY drücken, um dann parallel den Text zu lesen.

Es dämmert und mein Weg führt mich in die Stadt. Ich drücke die Play-Taste an meinem mp3-Player und es erklingt dieses Lied.

 

Ein weiterer Tastendruck und ich kann sicher sein, dass der Song von nun an unentwegt meine Gedanken tragen wird. Ein Schritt folgt auf den nächsten. Ohne nachzudenken, ohne etwas wahrzunehmen, laufe ich los und erreiche mein Ziel. Ich kaufe ein, was ich brauche. Entspannung dringt in jede noch so winzige Zelle meines Körpers. Mein Blick streift die Regale und blendet alle Menschen um mich herum aus. Langsam, ganz langsam verschwindet die Frau mit dem Kinderwagen. Dann der Mann vor mir. Das ältere Paar am Wein-Regal. Bis der gesamte Supermarkt menschenleer ist. Sie alle werden schwächer, verlieren an Kontur bis sie gänzlich weg sind. Ich atme. Bewusst. Dann gehe ich weiter. Suche, was ich brauche. Greife danach. Weiter. Das. Das. Und das. Immer noch beherrscht mich dieses Lied.

 

Ein entspanntes Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Nun geht es wieder nach Hause. Der Abend beherrscht den Himmel und die Dunkelheit bereitet die Nacht vor. Menschen kommen mir entgegen. Ausweichen? Meine Füße übernehmen die Kontrolle und ich bin gelassen. Sie tragen mich und bestimmen, wohin es geht. Die mir entgegenkommenden Menschen laufen um mich herum. Ich fühle mich wie ein Fisch, der gegen den Strom schwimmt. Nur nicht nachdenken. Einfach machen... Dann: die Hauptstraße. Dreispurig. Massen von Autos ziehen an mir vorüber. Noch drei Schritte, dann muss ich stoppen. Meine Füsse kontrollieren noch immer jeden meiner Schritte und ich schließe die Augen. Wie beim Treppensteigen hebe ich fließend erst das rechte Bein, ziehe das linke nach. Sechs Geisterstufen später stehe ich über den unter mir entlangfahrenden Autos. Ich laufe geradeaus und wenige Meter später steige ich die Treppen wieder hinab. Einen Blick hinter mich werfend, stelle ich fest: Die Ampel zeigt nun "grün". Neben mir in der Straßenbahn steht ein junges Liebespaar. Neben ihr steht ein großer Koffer; er hat sie wohl gerade vom Bahnhof abgeholt. Beide können es kaum erwarten. Man sieht es ihnen an. Sie reiben ihre Nasen aneinander. Ihre Wangen berühren sich – dann: ein Kuss. Seine Hand durchstreift ihr Haar. Wieder lächle ich. Drei Haltestellen später steige ich aus. Die Straße überquerend begreife ich: Alles wird sich fügen. Alles ist im Fluss. Und im Ohr? Dieses Lied.

 

Es fühlt sich an, als würden tausend Flügelschläge meine Seele streifen. Und dann, dann bin ich zu Hause.

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