Keane - Perfect Symmetry

Keane
Keane - Perfect Symmetry

Als die Jungs von Keane 2004 ihr Debüt-Album "Hopes and Feares" veröffentlichten, war noch nicht abzusehen, dass diese Band schon bald im gleichen Atemzug mit großartigen Bands wie U2 oder Coldplay genannt werden würde. Während das erste Album, das sich bis jetzt über sechs Millionen mal verkauft hat, von melancholischem Pop dominiert wurde, der zum Träumen einlädt, folgte zwei Jahre später das etwas düstere, zuweilen depressive zweite Album "Under the Iron Sea". Tom Chaplin, der Sänger der Band, hatte damals mit Drogenproblemen zu kämpfen - darüber hinaus galt es, Spannungen in der Band zu überwinden, damit man weiterhin kreativ Musik machen konnte.

 

Jetzt, wieder im zwei Jahres-Rhythmus, liegt das dritte Album von Keane, "Perfect Symmetry", in den Plattenläden bereit. Chaplin ist rehabilitiert, die Band hat sich wieder lieb und wie gut es einem tun kann, wenn man sich wieder aufraffen muss, stellt Keane mit den 11 Pop-Perlen dieses Albums eindrucksvoll unter Beweis.

 

Der erste Song des Albums stand schon einige Wochen vor dessen Veröffentlichung auf der Homepage der Band zum kostenlosen Download bereit. Nach dem ersten Hören von "Spiralling", wie die erste Single heißt, wird jedem Keane-Fan klar: Alles wird anders! Überall ist zu lesen, dass sich Keane nun am Sound der 80er orientiert - was auch stimmt! -, aber nirgends ist ein Wort darüber zu finden, dass Keane eben doch Keane ist und bleibt. Aber langsam. Schon der zweite Song des Albums ("The Lovers are losing") klingt vertraut; Chaplins Stimme brennt sich in die Gehörgänge und man will sie nicht mehr missen. Die typischen Keyboardsounds der Band und ein treibendes Schlagzeug lassen einen den Alltag vergessen. "Better than this" kommt ziemlich schräg daher, Chaplin wechselt hin und wieder in seine Kopfstimme und der Refrain, der eigentlich keiner ist, trägt zusätzlich dazu bei, diesen Song zu etwas Besonderem zu machen. Wer sich auf Keane einzulassen versteht, kann die Gänsehaut nicht mehr abstellen - aber wer will das schon, wenn Musik genau das vermag?! "You haven't told me anything" orientiert sich an der Stimmung des zweiten, etwas düsteren Albums der Band, fügt sich aber nahtlos in das aktuelle Album ein, weil gerade hier der 80er-Sound durchschimmert.

 

Mit "Perfect Symmetry" beginnt ein Bruch im aktuellen Album. Zwar verfügt der Song über den typischen Keane-Sound und pusht die Sinne, och am Ende gelingt es Chaplin, den Song leuchten zu lassen. Textlich und musikalisch driftet er in ungeahnte Höhen, bis ein Chor zu singen beginnt. Es sind kreative Ideen wie diese, die Keane auszeichnen. "You don't see me" holt den Hörer vorläufig zurück auf den gewohnten Keane-Boden. Ein Song, der schön ist und in seiner Machart an die Lieder des Debüt-Albums erinnert.

 

Mit "Again and Again" ist Keane, aus meiner Sicht, der beste Pop-Song dieses Jahres gelungen! Ein Song, der auch nach dem gefühlten 100. Mal hören immer noch pusht und einen durch den Tag treibt. Voller Dynamik und mit einer Keane-untypischen Power wird erreicht, woran Bands wie Coldplay vergeblich basteln: Ein lupenreiner und absolut perfekt Pop-Sound, der Denkmal-würdig ist. Auch in "Playing along" kommen Chorstimmen zum Einsatz. Obwohl der Song zu Beginn eher ruhig bis dramatisch daher kommt, wird er zum Ende hin vor allem eines: Bombastisch und kraftvoll. "Pretend that you're alone" ist vielleicht der ungewöhnlichste Song - nicht nur dieses Albums, sondern überhaupt für Keane. Zuerst hört man Keyboard und Schlagzeug, Chaplin singt und irgendwann nach einer Minute, setzt eine lockere, fast fröhliche Gitarre ein, die so untypisch für Keane ist, dass man erst noch mal auf die CD schauen muss, um sich sicher zu sein, dass man tatsächlich ein Album von Keane in den Händen hält. Und als man dann aus dem Hintergrund kommend und stärker werdend, die ersten Saxophon-Töne hört, ist es um einen geschehen. Irgendwann wird dann noch geklatscht, aber das ist im Grunde egal, weil man eh schon ziemlich verzückt sein dürfte, ob der neu entdeckten musikalischen Bandbreite dieser Band.

 

Auch wenn man es nicht wahr haben will - aber das Album neigt sich allmählich dem Ende. Mit "Black burning heart" klingen Keane wieder gewohnt vertraut, nur um uns direkt im Anschluss mit "Love is the End" einen besonderen Rausschmeißer zu servieren. Der letzte Song dieses Albums klingt, als hätte sich Chaplin allein und verlassen an das Klavier in eine dunkle Bar gesetzt, nur um den wenigen anderen einsamen und verlassenen Seelen das Lied zu singen, auf das sie so lange haben warten müssen.

 

Mit "Perfect Symmetry" sind Keane ohne viel Presserummel im Voraus vielleicht das beste Pop-Album dieses Jahres gelungen. Wenn man sie tatsächlich mit Bands wie Coldplay oder U2 vergleichen möchte, dann muss man gestehen, dass Keane dabei ist, sie alle zu überholen. Still und leise. Mit schönen Melodien, die berühren, Überraschungen für die Ohren und Klängen, die einen den Alltag vergessen lassen.