Watchmen

Am vergangenen Freitagvormittag bekam ich die Möglichkeit, an der Pressevorführung zu WATCHMEN teilhaben zu dürfen. Dafür möchte ich Steffen an dieser Stelle noch einmal danken. Jetzt, knapp eineinhalb Tage später habe ich meine Eindrücke sortiert und in meinen Laptop transportiert. Der Film beginnt mit Dylan’s „The times they are a-changing“. Warum also nicht auch meine Kritik?

Inhalt

Aufgrund eines Staatserlasses darf es keine Kostümierten, also Helden, mehr geben. Die Helden in Moores Geschichte sind im Grunde Menschen wie Du und ich. Sie verfügen über keine Superkräfte, sondern sind meist nur durchtrainiert, kampferfahren und mit starkem Gerechtigkeitssinn versehen. Insofern fällt es ihnen nicht schwer, ihre Kostüme an den Nagel zu hängen und plötzlich einfach wieder nur „Mensch“ zu sein. Als jedoch in einer Nacht ein (ehemaliges) Mitglied des Teams "Watchmen" getötet wird, beginnt der Geschichte unheilvoller Lauf. Es ist der Comedian, der brutal ermordet wird und auf makabere Weise wird dem Zuschauer damit vor Augen gehalten: Nun ist Schluss mit lustig!

Rorschach, ein weiteres ehemaliges Mitglied der Watchmen, vermutet hinter dem Tod seines Kollegen eine Verschwörung und will den Rest des Teams von einer gemeinsamen Untersuchung des Falls überzeugen. Neben Nite Owl (der dann doch gewisse Ähnlichkeiten zu der Figur des Batman aufweist), Silk Spectre und Ozymandias ist noch Dr. Manhattan Bestandteil des Teams. Letzterer ist auch der einzige, der über eine besondere Fähigkeit verfügt, die ihn zugleich Gott-ähnlich macht: Als jemand, für den Zeit keine Rolle mehr spielt, weil er tatsächlich unsterblich zu sein scheint und die Zukunft kennt, hat er zudem die Macht, Atome zu kontrollieren. Eine herannahende Kugel also mal eben zu Staub werden zu lassen, stellt für Dr. Manhattan keine große Herausforderung dar. Mehr oder weniger gemeinsam, und vor allem aus verschiedensten Gründen, finden sie nach und nach im Laufe der Geschichte wieder zueinander, um den Tod ihres Freundes aufzuklären.

 

Hintergrund

Ende der 80er Jahre veröffentlichten der Autor Alan Moore und der Zeichner Dave Gibbons eine 12-teilige Serie über ein Superheldenteam namens „Watchmen“. Das besondere an diesem Team ist nicht nur die Tatsache, dass es aus vollkommen unbekannten Helden besteht, wodurch der Rezipient keinerlei Präferenzen für einen der Helden haben kann, sondern auch dass die Geschichte des Teams in einer Welt spielt, in der bestimmte historische Entwicklungen einen anderen Verlauf genommen und so eine Parallelwelt herbeigeführt haben, die der unseren ähnelt, aber eben nicht gleicht.

 

Der Autor Alan Moore verantwortet auch die Comics „From Hell“ (verfilmt u. a. mit Johnny Depp) und „V for Vendetta“ (verfilmt u.a. mit Natalie Portman). Für seine „Watchmen“ wurde ihm jedoch eine besondere Ehre zuteil, da dieser Comic – als einziger überhaupt – in die Literatur-Top-100-Liste des legendären amerikanischen Time Magazin aufgenommen wurde. Bis heute ein unerreichtes Novum, dessen Gründe in der phantastischen Geschichte der Watchmen zu finden sind, in der Moore den Leser und bald auch den Zuschauer mit Inhalten konfrontiert, die um einiges härter, rauer und realistischer sind, als es das Medium Comic und der gegebenenfalls daraus resultierende Film (wie z.B. Spiderman, Superman, Die fantastischen Vier) bis heute jemals wieder vermochte.

 

Als Leser oder Zuschauer muss man sich stets vor Augen halten, dass sich Moore – wahrscheinlich als erste Autor überhaupt – in besonderem Maße Gedanken darüber gemacht hat, vor welchen moralischen und ethischen Entscheidungen jemand stehen muss, wenn er plötzlich mit besonderen Kräften gesegnet wird. Wer Spiderman kennt und zumindest den ersten Film der aktuellen Reihe gesehen hat, weiß, dass er irgendwann von seinem Onkel, einem älteren Mann, gesagt bekommt, dass aus großen Kräften auch große Verantwortung entsteht. Moore greift diese Denke auf und konfrontiert uns mit all den Fehlern, die ein Superheld trotz seiner Kräfte haben und - schlimmer noch! - begehen kann. Dabei nimmt er dem Thema den Glanz und erdet es, so sehr, dass man manchmal leise und erschrocken „Scheiße…“ vor sich hin murmelt. Man erschrickt bar der offenkundigen Brutalität und wird regelrecht zum Nachdenken gezwungen, wenn die Geschichte ihr nervenaufreibendes Ende erreicht.

 

Zack Snyder, der schon den Comic „300“ filmisch mit Hochglanzbildern versehen hat, greift für „Watchmen“ in die dunkle Seite der Farbpalette und schafft einen Film, der neue Maßstäbe setzt. Dunkel, bedrohlich, beklemmend und wutentbrannt erzählt er durch den Helden Rorschach die Geschichte einer Welt, die dem Untergang geweiht ist. Zwar spielt der Film mit allerlei technischem Schnick-Schnack und führt vor, was mit Hilfe der Computertechnik heute möglich ist, trumpft aber auch mit hervorragenden Sets und einem ungeheuren Detailreichtum auf. Ich muss gestehen, dass mich nicht ein einziges Mal interessiert hat, wie spät es denn eigentlich ist. Man kennt das sicher aus dem einen oder anderen Film, bei dem man - unabhängig von der Qualität des Films - bewusst oder unbewusst mindestens ein Mal auf die Uhr schaut. Doch diesmal: Kein Blick auf die Uhr. Kein Zeitgefühl. Nur pure Faszination für das, was Snyder und sein Team da auf die Leinwand zu transformieren in der Lage waren. Getrieben von dem Wunsch, dass dieser Film doch nie enden möge, flimmerte dann leider doch nach gut 160 Minuten der Abspann über die Kinoleinwand. Zwar ist der Film beim ersten Mal schauen zu verstehen, allerdings wird er sich einem jedoch erst nach wiederholtem Male vollends erschließen können.

 

Nach Batman Begins und The Dark Knight stand für zahlreiche Comic-Fans die Frage im Raum „Was soll jetzt noch kommen?“ – die Antwort darauf kann jetzt nur lauten: „Watchmen – Die Wächter“ Und deshalb auch für diesen Film olgende Punktevergabe:

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