Filmrezensionen sind ab sofort sortiert und können gezielt im Menü ausgewählt werden. Irgendwann werden sicher auch mal Rezensionen zu verschiedenen TV-Serien folgen. Neu ist die Punktevergabe, die sich wie folgt ergibt:


6 Punkte // GRANDIOS

5 Punkte // SEHR GUT

4 Punkte // GUT

3 Punkte // NETT

2 Punkte // NUR FÜR FANS

1 Punkt   // HILFE!

 

Texte über alles was sonst im Fernsehen so passiert und bei mir Übelkeit hervorruft oder - in den selteneren Fällen - gute Laune verbreitet, finden sich direkt unter diesem Abschnitt.

Eurovision Songcontest 2009

Nicht Weihnachten oder Ostern sind das Maß aller Dinge und verraten einem, dass wieder ein Jahr vergangen ist. Zumindest nicht mir. Vielmehr der Eurovision Songcontest ruft in mir das Gefühl völliger Überraschung hervor: "Waaaas ist es schon wieder soweit?" Als eine Konstante, die mich seit meiner Kindheit jährlich begleitet (also nicht erst seit G. Horn und S. Raab!), bin ich doch immer wieder verblüfft, wenn plötzlich der deutsche Vertreter feststeht und einige Wochen später irgendwo im Ausland sein Liedchen unters europäische Volk bringen darf.

 

Über 3 Stunden dauerte der europaweite Gesangswettbewerb und wenn ich heute, einen Tag später, darüber nachdenke, dann geht es mir grundsätzlich erst mal so wie jedes Jahr: Es gibt kaum Lieder, die eine längere Haltbarkeit haben als die Zeit, die diese Sendung andauert. Obwohl mir im Programm ca. 5 Songs einigermaßen "gut" gefallen haben, werde ich mich wohl in einigen Tagen nur noch an den tatsächlichen Sieger, meinen heimlichen Favoriten (übrigens schon seit der ersten Halbfinalshow, die in Deutschland in diesem Jahr auf Phoenix ausgestrahlt wurde und mit Einschaltquoten nun wirklich nicht glänzen konnte) und den deutschen Beitrag erinnern.

 

Rollen wir das Feld deshalb von hinten auf - hier der für Deutschland angetretene Teilnehmer. Vollkommen ohne Kommentar, vorerst.

In den vergangenen Wochen wurde kaum über den Beitrag berichtet. Allerdings wurde der Song bis dato ziemlich belächelt: Die seltsame Mischung aus Euro-Trash-Gebumse und Stilelementen aus guten alten Swingklassikern macht es einem auch nicht gerade leicht, sich mit dem Song anzufreunden. Mir persönlich hat er bis zum "Grand Prix" (wie ich den Eurovision-Songcontest noch immer liebevoll nenne) nicht gefallen - in den Wettbewerb hat er aber so gut gepasst, dass er als Stück für sich auch irgendwie zu gefallen wußte. Letztlich hat es aber doch nur für Platz 20 gereicht. Dass Tita von Teese dafür engagiert wurde, um den Song durch ihren erotischen Tanz aufzuwerten, erschließt sich mir bis heute nicht. Wer das Video des Auftritts verfolgt, kann sicher bestätigen, dass da so viel an erotischem Funken auch nicht überspringt. Über die Hose will ich mal kein Wort verlieren - außer: Sexualität hin oder her, ordentlich angezogen kann man schon rumlaufen! Aber wer weiß, vielleicht war die Hose auch ein Statement an die russische Regierung, die an diesem Tag homosexuelle Demonstranten gewaltsam daran gehindert hat, auf die Unterdrückung Homosexueller in Russland hinzuweisen. Im Internet war übrigens zu erfahren, dass die norwegischen Kommentatoren der Sendung sowas gesagt haben sollen, wie: "Seit >Ein bisschen Frieden< hat sich die deutsche Herangehensweise an den Songcontest doch ziemlich verändert." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

Es wird Zeit für langanhaltend gute Musik - also meinen Favoriten, von dem ich eigentlich ziemlich sicher erwartet hatte, dass er unter den Top 5 landet.

Balladen funktionieren einfach immer - also zumindest in meiner Welt. Ich habe dank diesem Song auch endlich gelernt, was eine "Rückung" ist. Dabei handelt es sich um eine Verschiebung des Refrains um x Halbtöne zur Steigerung des dramatischen Effekts! Endlich weiß ich, warum mein musikalisches Empfinden so einfach zu beeinflussen ist. Dank Yohanna und ihrem diesjährigen Beitrag für Island weiß ich, dass in der Musikwelt noch alles in Ordnung ist und es durchaus auch kleine Pophymnen beim Eurovision-Songcontest weit nach vorn schaffen können. Sie hat es nämlich verdient auf Platz 2 geschafft!

 

Nun zum Sieger, der seltsamer nicht sein kann. Ich weiß, ehrlich gesagt, überhaupt nicht, warum Alexander (Schon dieser Name ruft Gänsehaut in einem hervor!) mit seiner Geigennummer und dem Song über "Märchen" von gefühlten Zwei-Drittel aller Teilnehmerländer die Höchstpunktzahl bekommen hat.

Ich kann mir nicht erklären, wie er es aufs Siegertreppchen geschafft hat. Was hat er an sich, dass so viele meinten: Der muss gewinnen! Schauen überhaupt noch genügend Frauen den Gesangswettbewerb, die sich in dieses dauergrinsende Daniel-Radcliffe-Zac-Efron-Gemisch verliebt haben konnten? Und fragt sich überhaupt jemand, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Sieg Norwegens und der Tatsache, dass alle Handys, die das Telefonvoting ausgemacht haben, von dort kommen (könnten)?! Denkt mal darüber nach!

 

Generell hat mir der Grand Prix in diesem Jahr erstmals seit zwei oder drei Jahren wieder richtig gut gefallen. Und wenn jemand wirklich gewonnen hat, dann die großartige Bühne, die allerlei technischen Schnick-Schnack und somit allerlei Schauwert zu bieten hatte.

 

Kleiner Tipp für den deutschen Teilnehmer im nächsten Jahr: Rückungen funktionieren immer!

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Kommentare: 3
  • #1

    Marcus Poschlod (Sonntag, 17 Mai 2009 21:09)

    Ja natürlich spielt auch das Äußere eine wichtige Rolle. Aber die Norwegen-Nummer war nunmal sehr gut. Und eben so sehr gut, dass es MIT ABSTAND gereicht hat. War ja nun gerade keine knappe Entscheidung. Hier kann man ja echt von einer deutlichen Mehrheit sprechen.

    Der Song FAIRYTALE läuft sicher auch bald auf namenhaften Stationen, u.a. Backdoor FM.

    Also? Wer hätte denn Deiner Meinung gewinnen sollen?

  • #2

    Desidaria (Sonntag, 17 Mai 2009 22:29)

    Der Song läuft LEIDER schon auf namenhaften Stationen und klingt im Radio einfach nur schauderhaft. Sorry, aber der erste Platz ist nicht gerechtfertig. Der Titel hat vielleicht Charme, wenn man mit einer Wodka-Flasche in einem eisigen Holzhaus sitzt...

  • #3

    backdoorfm (Sonntag, 17 Mai 2009 22:38)

    Das sehe ich (leider?) ähnlich. Ich habe lange überlegt und kann mir absolut nicht vorstellen, was Grund für die teilnehmenden Länder, diesem Song in Hülle und Fülle Höchstpunktzahlen zu geben. Sorry. Sicher spielt das Aussehen eine Rolle, deswegen hat der Beitrag aus Malta (eigentlich ein guter Pop-Song, aber bei der Sängerin saß der Kopf ohne Hals doch direkt auf dem Oberkörper!) - googelt ihn bitte später mal! - auch so schlecht abgeschnitten. Aber irgendwie dachte ich, die Musikwelt ist etwas "moderner" geworden und einem geigendem Zigeunerjungen zum Sieg zu verhelfen... Mann, Mann, Mann! Dann doch lieber Yohanna... *schmacht* Aber wie seht ihr das? Hattet ihr Favoriten? Wenn ja, dann werft sie doch mal in die Runde :)

Die Serien-Neustarts 2009

Beginnen wir mit The Mentalist: Jetzt nach drei Folgen muss ich gestehen, dass mir die Handlung im Hintergrund, nämlich die Aufklärung des Mordes an Frau und Kind vom Mentalisten Patrick Jane durch einen Mann der fortan Red John genannt wird, etwas zu langsam erzählt wird. Im Grunde erfährt man gar nichts! Okay, der "Fall der Woche" ist jedesmal spannend, hat witzige Momente, alle Darsteller agieren gut und jede Geschichte wird professionell erzählt. Aber... Ja, ich hatte gehofft, dass ich, der Zuschauer, Woche für Woche der Lösung des eigentlichen, über allem stehenden Falls, näher komme. Schließlich stellt die Aufklärung des Mordes an seiner Familie auch den Antrieb des Hauptcharakters dar...

Torchwood (c) BBC 2008
Torchwood (c) BBC 2008

Nun zu Torchwood. Was für eine Auftaktfolge! Herrlich schräg und seltsam bis zum geht nicht mehr. Eine junge Polizistin beobachtet bei einem Routineeinsatz eine Spezialeinheit, die Nachforschungen auf eine ganz besondere Art und Weise anstellen. Neugierig, ambitioniert und very british stellt sie eigene Untersuchungen über das Team an, kommt einem Verräter innerhalb des Teams auf die Spur und wird, nach dessen "Vernichtung" selbst als neues Mitglied in die Spezialeinheit aufgenommen. Dumm nur, dass diese sich der Klärung paranormaler Phänomene und anderem Bibapo widmet. Als Spin-Off der Serie "Dr. Who" kommt Torchwood noch um einiges trashiger und hochglanz-artiger daher. Ich bin vollends zufrieden und gespannt auf mehr! NACHTRAG: War die auf RTL2 ausgestrahlte Seire schon in der Vorwoche zufriedenstellend gestartet, konnte sie in dieser Woche noch einmal zulegen und dürfte wohl - zumindest für RTL2 - die Serien-Überraschung des Frühjahrs sein.

Life (c) NBC 2008
Life (c) NBC 2008

Life ist mein absolutes Highlight der aktuellen Serienflut! Da VOX am vergangenen Mittwoch gleich zwei Folgen zum Serienstart ausgestrahlt hat und nun, eine Woche später, bereits die dritte Folge lief, ist es vielleicht schwieriger erst ab nächster Woche in die laufende Handlung einzusteigen. Was man wissen muss: Der Polizist Charlie Crews saß 15 Jahre unschuldig hinter Gitter. Inhaftiert wegen dreifachen Mordes und eines damit zusammenhängenden Banküberfalls, wird er durch den unermüdlichen Einsatz seiner Anwältin, die sich über all die Jahre der Verteidigung auch noch in Charlie verknallt hat, entlassen und bekommt zur Wiedergutmachung Geld ohne Ende, um neu und ohne Sorgen in sein verbleibendes Leben starten zu können. Einziges Problem: So wichtig ist ihm die Kohle gar nicht, vielmehr will er in seinen alten Beruf zurück, um die für seine Inhaftierung ursächlichen Ereignisse aufzuklären. Zurück im Department, bekommt er eine neue Partnerin und muss sich plötzlich mit allerlei technischem Schnick-Schnack befassen. Ganz im Ernst: Die Entwicklung der Handy-Technologie u.ä. ist total an ihm vorbeigegangen. Was mir bei The Mentalist fehlt, wird hier knallhart durchgezogen: Woche für Woche findet er eine weitere Kleinigkeit heraus, die ein neues Licht auf seinen Fall wirft. Der Zuschauer kann mitraten und bekommt neben den wirklich spannenden Fällen auch einen Cop geboten, der im Knast zum Buddhismus gefunden hat und seine neuen Denkweisen Folge für Folge zelebriert. Deshalb: Daumen hoch und absolut sehenswert! Nachtrag: Life stellte für VOX vielleicht den erfolgreichsten Serienneustart seit langem dar; das hohe Quotenniveau der ersten Woche konnte gehalten werden und so kann man davon ausgehen, dass wir die Geschichte auch bis zum Ende gezeigt bekommen.

Fringe (c) FOX 2008
Fringe (c) FOX 2008

J. J. Abrahams, der den meisten Zuschauern und Kennern, als Mastermind der Serien „LOST“ und „Alias“ bekannt sein dürfte, aber sich nebenbei auch für die Kinofilme „Mission Impossible III“ und dem bald startenden „Star Trek“-Film verantwortlich zeichnet, hat nun eine neue Serie kreiert: Fringe

 

Fringe erzählt die Geschichte einer Spezialeinheit des FBI, die sich mit scheinbar unklärbaren, paranormalen und übersinnlichen Fällen befasst. Das alles ist nicht neu und irgendwann fühlt man sich an die 90er Jahre erinnert, als „Akte X“ erfolgreich lief. Auch ich war großer Fan von Mulder und Scully, weil die Geschichten stets spannend waren und von einer eigenartigen Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren profitierten. Mark Snow wurde durch die Serie bekannt, weil er die bekannte Titelmelodie der Serie schrieb und überhaupt alle Folgen mit entsprechend musikalischer Untermalung in sphärisch gruselige Höhen trieb.

 

Und so gibt es für Fans von „Akte X“ einige handwerkliche Überschneidungspunkte mit Abrahams neuer Mysterie-Serie „Fringe“. Auch hier gibt es die betont zurückhaltende musikalische Gruseluntermalung, wenn auch nicht von Mark Snow. Die Geschichten scheinen denen, die Mulder und Scully durchstehen mußten, thematisch sehr zu ähneln. Abrahams ist grundsätzlich jemand, der gern etwas mehr auf die Kacke haut, als es vielleicht nötig ist und dabei immer zeigen will, was derzeit an Effekten möglich ist. Und hier fallen im Grunde die Unterschiede zu „Akte X“ auf. Während man dort immer mit einem ziemlich geringen Serien-Budget auskommen mußte, also den eigentlichen Grusel oft den Ideen der Zuschauer überlassen hat, indem man (was auch zur Handlung paßte), oft im Dunkeln gefilmt hat und nur so viel gezeigt wurde, dass der Zuschauer eine gewisse Ahnung bekam, hält Abrahams in „Fringe“ ordentlich drauf. Er muss im Grunde auch nichts verstecken. Die Zeiten haben sich geändert, dank neuster Technik kann man ordentlich was aus dem Hut zaubern und so gilt eben: Zeige, was du hast.

 

Die erste Folge von „Fringe“ erzählt die Entstehungsgeschichte des seltsam zusammengewürfelten FBI-Teams, das aus mehr Mitgliedern besteht, als das bei „Akte X“ der Fall war. Wir erinnern uns: Mulder und Scully haben gereicht, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. Diesmal sieht es anders aus. Aber, wie schon gesagt, die Zeiten haben sich geändert und es gilt, einen seltsamen „Unfall“ aufzuklären: Alle Passagiere eines Flugzeuges sind während des Fluges, verirgendwast. Letztlich tot, aber irgendwas ist mit ihnen passiert. Und das ist so schlimm, dass die ersten Polizisten vor Ort schon allein beim ersten Anblick der menschlichen Überbleibsel kotzen müssen. Ja, wirklich – kotzen! Na das kann ja was werden.

 

Negativ fiel mir die Unart, die Benennung der verschiedenen Orte in großen 3-D-Buchstaben in die Umgebung einzubauen, auf. Hätte man hier nicht, ähnlich wie bei „Akte X“ einfach nur den jeweiligen Namen am linken unteren Bildschirmrand einblenden können? Das wars aber im Grunde auch schon. Gerade die erste Folge verfügt über gute Wendungen, eine interessante Grundkonstellation der Figuren und weckt das Interesse nach mehr. Sehr schnell wird aber deutlich, dass es Abraham nicht nur darum ging, eine Mysterie-Serie zu kreieren. Abraham will mehr. Vielleicht zu viel, aber das wir die Zeit zeigen. Meiner Einschätzung nach bilden auch dramatische Elemente und eine ordentliche Portion Science-Fiction die entscheidende Grundlage dieser Serie. Und so kam ich nicht umhin, mich ab und zu zu fragen, ob es nicht zu viel ist, was J. J. Abrahams mir da hin und wieder auftischt. Und selbstverständlich steckt hinter all den Geschehnissen viel mehr, als es zunächst scheint. Vielleicht die Regierung. Vielleicht Ausserirdische. Vielleicht der Yeti. Wir werden es erfahren!

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Zum Abschied von "Pushing Daisies"

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Oh mein Gott!

Seit einigen Wochen wird wieder gezaubert, mentalisiert und vorgeführt. Habe ich die erste Staffel noch mit gewissem amüsierten Interesse verfolgt, entschied ich mich nach Folge 1 der zweiten Staffel, nie wieder einzuschalten. Und siehe da, bis heute habe ich mich mental ziemlich gut im Griff. Vielleicht sollte ich bei der nächsten Staffel mitmachen. Obwohl: Eine nächste Staffel wird es wohl nicht geben.

 

Als Staffel 1 im ersten Quartal 2008 auf Pro Sieben lief, entwickelte sich das Format schnell zum Straßenfeger. Irgendwer bei Pro Sieben muss wohl gedacht haben, dass man alles richtig gemacht hat. Schade, denn wirklich gut, war die Sendung schon damals nicht. Zugegeben – sie war immer unterhaltsam, das aber nur deshalb, weil sie oft unfreiwillig komisch war. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mit Freunden Tränen gelacht habe, wenn die Kandidaten einen Trick vermasselt haben, Uri Geller Pseudo-Bewertungen von sich gegeben hat, der Rabe vom Mentalisten Raven nicht an sich halten konnte und während eines Rundfluges durch das Publikum verdaute Nahrung auf dem üblichen Wege ausgeschieden hat oder aber – und dieser Punkt hat entscheidend zum Glaubwürdigkeitsverlust des Formats beigetragen! – die Kameras jeden Winkel auf der Bühne eingefangen und dem Zuschauer präsentiert haben. Wer vor den Bildschirmen genau aufpasste und sich rechtzeitig die Lach-Tränen aus den Augen wischen konnte, sah oft Abläufe oder eigentlich verborgene Handhabungen, die letztlich dazu beitrugen, dass sich die Show selbst entzauberte.

 

In den 90ern waren Zaubershows im Fernsehen ganz großes Kino. Ob Spezial-Sendungen über David Copperfield oder die von Barbara Eligmann präsentierte Sendung „Die Tricks der größten Zauberer“ kamen stets gut beim Publikum an. Selbstverständlich waren gewisse Abnutzungserscheinungen nach einer gewissen Zeit einkalkuliert, aber die Sendungen unterhielten gut und waren auf hohem Niveau produziert. Die großen Shows um David Copperfield fand ich immer spannend und es hat Spaß gemacht, die Zauberei als eigentliche Trickserei zu entlarven. Nur: Es gelang nicht! Dafür war alles zu gut durchdacht, die Kamera hat bestimmte Grenzen nicht überschreiten dürfen und so hat der Zuschauer nur sehen können, was er sehen sollte. Selbst Barbara Eligmann hat in ihrer Sendung, deren Grundidee sogar darin bestand, Zaubertricks zu erklären, also ihnen den Zauber zu nehmen, nicht derart haareraufenden Fehler begangen, wie das der Sender mit der roten „7“ derzeit tut. Eligmann zeigte den Trick eines Zauberers, und auch hier bekam der Zuschauer nur zu sehen, was er sehen sollte; danach folgte die Auflösung und dem Zuschauer wurden all die Schritte gezeigt, die ihm bisher verborgen blieben.

 

Leider ist die ständig präsente und aus allen Richtungen filmende Kamera nicht der einzige Kritikpunkt, den es an „The next Uri Geller“ gibt:

1. Eigentlich müsste die Sendung „The next next Uri Geller“ heißen.

2. Diese langen Einspielfilme über die Kandidaten nerven und sind so produziert, als habe sich ein Praktikant an den bildbearbeitenden Effekten ausprobieren dürfen. Frei nach dem Motte: „Nicht kleckern, sondern klotzen!“

3. Immer wieder ist im Netz zu lesen, wie toll Stefan Gödde doch durch die Sendung führt und was für ein toller Moderator er doch sei. Pfff! Der Typ hat null Präsenz auf der Bühne, vollkommen unscheinbar und deshalb absolut austauschbar. Wahrscheinlich stand sonst nur grad Oli P. zur Verfügung, deshalb hat man das kleinere Übel, namentlich Stefan Gödde, als Moderator auserkoren.

4. Die Bühne! Viel zu groß, zwar vollkommen in schwarz gehalten, dabei aber so hell beleuchtet, dass kein Gefühl des Geheimnisvollen, Übernatürlichen oder Spannenden beim Zuschauer aufkommen kann.

 

Jetzt erhält Pro Sieben die Quittung. Statt ein paar Dinge zu verändern, nämlich jeme, die die Spannung erhöhen und dem ganzen Format wieder mehr Ernsthaftigkeit zugute kommen lassen, blieb man bei altbewährtem und geht seit dem Start der zweiten Staffel gnadenlos baden. Woche für Woche sinken die Einschaltquoten und anders als bei seinen Gabeln, kann Uri Geller hier nichts richten. Geller sollte darüber nachdenken, in das nächste Dschungel-Camp einzuziehen. Wenn ich auch diese Sendung nicht schaue, so sind ihm zumindest dort bessere Einschaltquoten sicher.

"Du bist ein Eng-gel!"

Kritik zu Folge 1 der Sendung "Bruce", ARD, 18:50 Uhr, 12.02.2008

 

Gestern Abend war es also soweit. Endlich. Man konnte es kaum erwarten. Vorfreude hatte sich in den letzten Wochen in mir breit gemacht, wie sonst gerade nur Erkältungsviren bei einigen meiner Freunde und Kollegen. Bruce, dich haben wir im deutschen Vorabend-Fernsehprogramm noch gebraucht. Hatte mich der Typ bisher nur von Plakaten angegrinst und auf mich gezeigt, als wäre ich "Germany's next Topmodel", flimmerte er nun also zum ersten Mal in seiner eigenen Show über den Bildschirm. Unvorstellbar, aber wahr.

 

Schon im Moment des Kennenlernens bringt es Bruce auf den Punkt: "Sie sieht verdammt sehr gut aus." Ich beginne mich zu fragen, was an dieser Frau verschönert werden soll. Sie ist hübsch und hat ein anderes Styling überhaupt nicht nötig. Das stellt zum Glück auch Bruce fest und fragt nach. Schnell wird klar: Christina findet ihren Busen zu klein. Drama! Sie weint. Bruce tröstet. Und wie. Aber dafür wurde er ja auch ausgebildet (er ist Diplom-Sozialpädagoge). Nebenbei lernt der Zuschauer auch noch Christinas Mutter kennen. Plötzlich bekommt Christina von Bruce ein Kissen unter den Pullover gestopft. Damit versucht er ihr deutlich zu machen, dass größere Brüste vielleicht einige Männerblicke mehr anlocken würden, aber doch am Ende nur ihr Inneres zählt. Bruce, der Berater für das perfekte Äußere, führt tatsächlich schon in Folge 1 seiner eigenen Sendung seine Aufgabe ad absurdum. Denn eine Verschönerung, wie er es sich in seiner Sendung zur Aufgabe macht, ist hier eigentlich nicht nötig. Das könnte tatsächlich interessant werden.

 

Dann aber wird es leider peinlich. Um Christina ein besseres Körpergefühl zu verschaffen, schaltet er den CD-Player ein und tanzt. Christina soll auch tanzen, traut sich jedoch anfangs nicht. Aber mal im Ernst - Bruce hüpft rum, als würde er von einer Horde Feuerameisen heimgesucht werden und die ganze Zeit stehen Menschen mit Kameras um diese junge Frau herum. Wer kann es ihr verübeln, dass sie sich nicht aufführt wie im Kasperletheater?! Als Bruce anfängt zu weinen und ihr deutlich macht, dass jeder Tag in ihrem Leben wie der vorherige zu sein scheint und ihr offensichtlich einfach nur der Spaß fehlt, hat Bruce einen seiner wenigen strahlenden Momente. Nur sein Flennen nervt. Aber so ist Bruce eben. So kennen wir ihn. Ist das authentisch? Ich weiß es nicht.

 

Dann tauchen Bruce's Kolleginnen auf, die beim Klamottenkauf und beim Hair-Styling/Schminken beraten sollen. Ja... Also... Danke. Weiter bitte. Ich frage mich bei solchen Beiträgen immer, ob Frauen Ratschläge dieser Art nicht schon ausreichend aus zahlreichen Magazinen bekommen? In diesem Sinne: Bruce - du bist so innovativ! Dann ein Fotoshooting, dessen Ergebnisse der jungen Frau die Augen öffnen und ihr klar machen sollen, wie schön sie doch eigentlich ist. Am Ende noch schnell eine Präsentation der neuen Outfits, dann wird Christina mit Schminke, neuer Haarfarbe und neuer Frisur "optimiert". Später kommt die Mutter dazu, um ihre Tochter begutachten zu können. Beide fallen sich weinend um den Hals und ich beginne mich zu fragen, was ich in diesen 25 Minuten eigentlich gelernt haben soll.

 

Jeder ist attraktiv - man muss sich nur zu optimieren wissen!